Endlich ist unser Leftover Buch im Handel. Aber warum eigentlich? Ein kleines Making-of.

Es war Anfang 2016, als die Idee Gestalt annahm, ein Buch über das Kochen mit Übriggebliebenem zu schreiben. Thomas und ich saßen bei unserem Lieblingsaraber und über Lamm- und Kebapspieße wurde aus einer Idee ein Entschluss. Es war die Geburtsstunde von Leftover. Heute, mehr als zwei Jahre später ist es soweit: Leftover steht endlich im Handel.

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Aber was genau hat es mit Leftover eigentlich auf sich?

Leftover heißt, Lebensmittelreste und Übriggebliebenes so weit wie möglich zu verwerten, neudeutsch auch als Zero Waste bekannt. Warum wir dies für ein wichtiges Thema halten, hat mehrere Gründe. Da wäre zum einen die Tatsache, dass es mit Respekt gegenüber Lebensmitteln, Tieren und Erzeugern zu tun hat, landwirtschaftliche Erzeugnisse allumfassend zu verwerten. Doch in der Realität werfen wir weltweit jeden Tag tonnenweise Lebensmittel weg, die völlig einwandfrei sind. Und das ist Teil eines größeren Problems: die Weltbevölkerung wächst und mit ihr unser Bedarf an Lebensmitteln.

Diesem begegnen wir auf allerhand Weisen: wir entwickeln technische Innovationen, setzen immer neue Energiequellen wie Insekten oder Algen auf den Speiseplan, und Schaffen immer neue Anbauflächen. Doch die Versorgung der wachsenden Weltbevölkerung - die längst nicht allerorts gelingt - hinterlässt sichtbare Spuren. Wir verlangen unserer Erde einiges ab - möglicherweise mehr, als sie verkraftet. Und somit ist jede Tonne Weggeworfenes eine versäumte Chance. Denn die mangelhafte “Verwertungseffizienz” führt dazu, dass wir unseren Planeten noch weiter belasten, als unbedingt nötig.

Selbstverständlich ist das Problem der Verschwendung vielschichtig. Die Ursachen sind vielfältig und weggeschmissen wird allerorts - in der Industrie, im Handel, im Restaurant und zu Hause in der heimischen Küche.

Und genau hier setzen wir mit Leftover an. Schon damals, als wir im Restaurant erstmals über das Buch sprachen, war uns klar, dass wir kein normales Kochbuch entwickeln wollten. Vielmehr sollte Leftover ein Buch werden, in dem wir uns eines ernsten Themas annehmen, es leicht verdaulich erklären und so Problembewusstsein schaffen. Außerdem wollten wir einen alltagstauglichen Lösungsansatz entwickeln. Unser Anspruch war, ein Buch zu entwickeln, das dem Leser im Alltag als nützlicher Reiseführer durch den Leftover-Dschungel im Kühlschrank dient.

Deshalb haben wir das Konzept “Kochbuch” grundsätzlich in Frage gestellt. Wer heute ein Kochbuch aufschlägt, findet dort Rezepte mit genauen Zutatenlisten und exakten Mengenangaben. Doch wer seinen Kühlschrank aufmacht und dort ein Viertel Blumenkohl, ein paar Stangen Sellerie und eine angebrochene Sahne findet, braucht im Zweifel etwas anderes. Nämlich eine leckere Lösung für seine Leftover, die nicht nach Präzision und Küchenwaage, sondern nach Pi mal Daumen und Augenmaß verlangt.

Also haben wir ein Kochbuch ohne Rezepte geschrieben. Oder zumindest ohne genau durchrezeptierte Kompositionen. Stattdessen haben wir Inspirationen, sozusagen Guidelines, entwickelt, die dem Leser dabei helfen, leckere Gerichte aus dem zu machen, was er gerade tatsächlich zu Hause hat. Denn beim Kochen (im Gegensatz zum Backen), haben wir in der Regel einen hohen Freiheitsgrad. Viele Wege führen ans Ziel einer leckeren Mahlzeit auf dem Teller. Was es braucht, um mit dieser Freiheit kreativ und souverän umzugehen, ist Know-how, Verständnis und ein bisschen Mut. Und davon haben wir versucht, soviel als möglich in unser Buch und jede einzelne Inspiration zu packen. Denn Leftover heißt kreativ zu kochen und einfach mal auszuprobieren.

Auch in Sachen Bildsprache wollten wir ein Buch machen, das sich vom üblichen Kochbuch unterscheidet. Glücklicherweise fügen sich im Leben manche Dinge. Und so lernte ich kurz nach dem anfänglichen Gespräch im Kebaprestaurant Vivi kennen, ihreszeichens Food-Fotografin. Schnell stellten wir fest, dass uns philosophisch einiges verbindet und wir ähnliche Themen für wichtig erachten. So war es dann fast schon natürlich, dass Vivi zum Champion des Visuellen im Team Leftover wurde. Statt prachtvoll inszenierter Teller, sollte es in unserem Buch anders zugehen: Ehrlich, unperfekt und bisweilen im Diskurs mit dem Verfall. Dabei sind wunderbare Bilder entstanden, die Leftover auch optisch zu einem Kochbuch der etwas anderen Art machen.

(Übrigens: nicht alle Bilder, die in dem Prozess entstanden sind, finden sich auch im Buch. Als unser Verlag uns davon abriet, Schimmel und Drogenkonsum in einem Kochbuch abzubilden, wenn wir Wert auf Verkäufe legen, fiel es uns schwer, dagegen zu argumentieren. Allerdings werden wir diese Werke in den kommenden Monaten wiederholt ausstellen. Schaut also regelmäßig vorbei, wenn wir up-to-date über Leftover bleiben wollt.)

Nun, da unser Buch endlich in den Läden steht, sind wir natürlich erstmal wahnsinnig happy und ein klein wenig stolz. Ob wir unserem Anspruch, ein nützliches Buch zu entwickeln, dass Spaß macht und zur Kreativität einlädt, gerecht geworden sind, entscheidet natürlich Ihr. Deshalb freuen uns auf sehr über jedes Feedback. Für uns geht es in der Zwischenzeit mit Vollgas weiter. Denn das Buch zu schreiben war nur der erste Streich. In den kommenden Wochen und Monaten wollen wir rund um das Thema Leftover noch einiges umsetzen. Hier halten wir Euch selbstverständlich auf dem Laufenden.

Euer
Vince